Wirtschaft und Kunst

Gedanken zum Wert Arbeit

Neulich träumte ich wieder von der Eurythmie. Ich bewegte mich mit fließender Leichtigkeit zur Musik, war eins mit Rhythmus und Tonhöhe und durchmaß den Raum mit großen Schritten, fast schwebend. Die Eurythmie ist noch in mir, mein Körper erinnert sich an jede Bewegung, auch wenn ich seit Jahrzehnten nicht mehr geübt habe. Mein innerer Künstler hat nichts vergessen. Formen im Raum laufen, dazu Töne, Intervalle, Dur und Moll und – das Wichtigste – den Gesang der Melodie und die Klangfarbe des Instruments in Bewegung ausdrücken, ja verkörpern: Das gab mir das Gefühl, an etwas Größerem teilzuhaben, Menschen von der Bühne aus zu berühren, Kunst zu schaffen, Sprache und Musik sichtbar zu machen.

Aber ich wollte mehr – Wissen, Forschen, Wissenschaft. Ich studierte Musik und Literatur und arbeitete mit Vorständen und Politikern am Thema Bildung und Kultur. Arbeit kann ein Glück sein, oft empfinden wir sie dann gar nicht als Arbeit. Alles geht leicht von der Hand, wenn Gabe und Aufgabe übereinstimmen. Es ist schön und tut gut, Anerkennung von hochkarätigen Persönlichkeiten zu erhalten und mit Freude etwas zum Ganzen beizutragen, Ideen einzubringen und zu helfen, die Dinge voranzutreiben. Die falsche Arbeit dagegen kann ein großes Unglück sein und krank machen, ebenso wie keine Arbeit zu haben. Mit jeder neuen Stelle, die ich annahm, wurde ich unglücklicher. Ich fühlte mich immer stärker fehl am Platz, verlor den Bezug zu mir selbst, etwas in mir sehnte sich voller Unruhe fort aus diesem Käfig. Das Gefühl, wertvolle Lebenszeit am falschen Ort zu vergeuden, kränkte mich andauernd.

„Wir arbeiten nicht nur, um etwas zu produzieren, sondern auch, um der Zeit einen Wert zu geben.”
(Ferdinand Victor Eugène Delacroix)

Was ich heute in der von mir selbst gewählten und geschaffenen Arbeit brauche, ist so wenig, dass ich die Leichtigkeit und Beweglichkeit von früher gewissermaßen zurückgewinne: einen Laptop, ein Handy und ein Aufnahmegerät. Meine Kunden sind Entscheidungsträger – Politiker, Vorstände und Unternehmer jeden Alters und aus ganz unterschiedlichen Gegenden und Branchen. Ich nutze mein musikalisch geschultes Gehör dafür, hinter ihren Worten zu erfassen, welches ihre Leitmotive sind, welche Werte ihnen wichtig sind und was ihre Individualität, ihr Leben und ihr Unternehmen einzigartig macht. Dann tue ich das, was viele dringend brauchen und niemand für sich selbst tun kann: Ich schreibe aus meiner wertschätzenden Perspektive eine spannende Kurzgeschichte über sie, lasse sie darin in ihrer Sprache zu Wort kommen und präge ein charakteristisches Bild ihrer Persönlichkeit in die knappe Form eines biografischen Porträts. Jedes Porträt eines Unternehmers zeigt ihn menschlich nahbar, schafft Vertrauen beim Leser und wirkt auf potenzielle Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner als nachhaltige Empfehlung.

Wenn Unternehmen sich so präsentieren, dass Unternehmer und ihre Vision unmittelbar und eindrücklich erlebbar werden, dann zeigt Wirtschaft Gesicht, dann habe ich gerne wieder teil an etwas Größerem. Und vielleicht ist jedes biografische Porträt auch ein kleines Kunstwerk, das Individualität sichtbar macht und Menschen berührt.