Unternehmer-Porträt Silvia Dervisevic

Silvia Dervisevic empfängt mich in ihrem privaten Büro-Fitnessraum. Ihren casual Businesslook in Weiß-schwarz unterstreicht sie durch modernen Schmuck: Ohrringe, einen eckigenn schwarzen Ring, ein Perlenarmband und eine auffallende Herrenuhr. Die dunkelblonden Haare sind akkurat asymmetrisch geschnitten. Helle, moderne Möbel vermitteln eine freundliche Atmosphäre, auf dem Schrank hinter ihr liegt ein großes rotes Herz. Sie spricht schnell, gestikuliert lebhaft. Der erste Eindruck: dynamisch, durchsetzungsstark, ehrgeizig, dabei offen, empathisch und zugewandt. „Vielleicht kommen die Kinder zwischendurch kurz rein, aber das sollte uns nicht weiter stören. Es klappt normalerweise gut, von zu Hause aus zu arbeiten“, steigt sie direkt ins Thema ein. „Ich hab mich der Aufgabe verschrieben, berufstätigen Müttern Support zu geben.“ Silvia Dervisevics Anliegen ist es, Frauen in dem zu unterstützen, was sie gerne beruflich erreichen möchten. Einerseits will sie in der Region Unternehmen dahingehend beraten, bewusst das Potenzial von Frauen zu nutzen und bessere Strukturen für Business Women und Mitarbeiterinnen mit Kindern zu schaffen. „Natürlich kommt das auch den Vätern zugute. Es geht um Familien. Ich möchte, dass Mütter ebenso wie Väter voll arbeiten, sich beruflich weiterentwickeln und sich um ihre Kinder kümmern können“, betont sie. Andererseits steht Silvia als Coach und Trainerin den Frauen zur Verfügung, die ein erfülltes Berufs- und Familienleben miteinander vereinbaren möchten. Gestrig anmutende Ansichten zur Berufstätigkeit von Frauen wie „Wofür studierst du eigentlich? Du bekommst irgendwann sowieso Kinder und sitzt dann zu Hause“ teilt sie ebenso wenig wie die Gegenposition, dass alle Frauen um jeden Preis Karriereambitionen verfolgen müssten. „Darum geht es nicht. Jede Frau soll das leben dürfen, was sie gerne möchte. Als Mutter zu Hause zu sein oder sich beruflich zu entwickeln ̶ das sollte jede für sich ohne schlechtes Gewissen entscheiden und, von guten Strukturen in Unternehmen unterstützt, leben können“, meint sie. Warum das für sie ein Herzensanliegen ist? Silvia Dervisevic kennt die Situation von Müttern sehr genau. Nach der Banklehre und dem nebenberuflichen BWL-Studium baute sie sich parallel zu ihrem sicheren Job in der Sparkasse eine Tätigkeit bei den Weight Watchers auf. Nachdem sie selbst dort 20 kg Gewicht verloren hatte, unterstützte sie 10 Jahre lang als Area Managerin Frauen darin, ein eigenes Business erfolgreich aufzubauen. „Ich kenne die Herausforderungen, Arbeit, Partnerschaft und Kindern gleichzeitig gerecht zu werden, ohne sich selbst zu vergessen. Mein größter Antrieb war es, das Leuchten in den Augen der hochmotivierten Frauen zu sehen, die ins Umsetzen kamen.“ Als sie interne Vorgaben nicht mehr mit ihren persönlichen Werten in Übereinstimmung sah, suchte Silvia nach neuen Arbeitsfeldern und übernahm kurzerhand die Niederlassung einer Personaldienstleistung. „Was mich erfüllt, sind immer Menschen. Ich bin einfach als Quereinsteigerin reingesprungen“, lacht sie. „Mein Chef hatte mir in Aussicht gestellt, Trainings zu geben, und ich absolvierte nebenbei eine Ausbildung zum zertifizierten Business-Coach und Trainer.“ Trotz des Wechsels in den Vertrieb einer Personaldienstleistung sah sie sich nicht auf der Dauer in der Branche. „Ich wusste, mein Weg geht woandershin. Ich bin überzeugt davon, dass sich die richtige Tür zur rechten Zeit öffnet. Und so war es auch.“ Ein Trainer bot ihr spontan an, für ihn den Vertrieb zu übernehmen, Silvia sagte schnell entschlossen zu. Seitdem entwickelt sie ihre eigene Selbstständigkeit permanent weiter, coacht berufstätige Mütter und will familienfreundliche Firmen mitgestalten, die sie zum Austausch erfolgreicher Konzepte miteinander vernetzt. Ihr Coaching-Prinzip nennt sie ganz Frauen-affin HANDBAG. Die Buchstaben stehen für: Herausnehmen, Aussortieren, Neu ordnen, Durchleuchten, Bedeutung geben, Ausarbeiten, Goal erreichen. Ihre Kinder sind heute im Grundschulalter. Organisation und Planung beherrscht sie wie viele Frauen aus dem Effeff. Im Moment verstärkt sie ihre Online-Trainings, erfindet sich wieder neu, auch wenn sie den unmittelbaren Kontakt mit Menschen liebt. „Das strengt mich nicht an, ich ziehe sogar Energie daraus“, lacht sie und haut bekräftigend mit der Faust auf den Tisch. Der größte Tiefpunkt in ihrem Leben war der Verlust ihres ersten Kindes. Wer diese Erfahrung machen musste, spricht über Familie nicht als abstrakten Wert, sondern aus durchlebtem Schmerz. „Unser erster Sohn gehört zur Familie. Er ist unser Engel, der nur einen kurzen Fußabdruck auf dieser Welt hinterlassen hat.“ Sie kämpft mit den Tränen. „Man muss aus der Trauer wieder den Sprung ins Jetzt und in die Zukunft schaffen. Uns hat es noch enger zusammengeschweißt“, sagt sie. „Ich sehe meinen Mann und mich im Alter gemeinsam auf einer Bank am See sitzen und händchenhaltend auf ein erfülltes Leben zurückblicken.“ Ihre Business-Vision: Ein Haus in den Weinbergen, in dem Frauen alles rund um das Thema Beruf angeboten wird: Bürovermietung, Coaching, Events, Trainings, Filmaufnahmen. Ein anziehender Ort für umfassende persönliche und berufliche Reifung und Ernte. „Ich will Frauen zum Strahlen bringen. Du musst an dich glauben, etwas von dir geben und dich zeigen. Das überzeugt.“ Dafür ist sie das beste Beispiel.