Letzte Wege

Gedanken zum Wert Aufbau

Wir haben nur noch uns. Dein Schritt so langsam. Vorsichtig gehst du weiter, die kalten Füße spürst du kaum. Nachher werde ich dir dicke Socken anziehen. Den Blick fest auf den Boden gerichtet, suchst du nach Sicherheit, stützt dich auf deinen Stock.

Wir bleiben stehen, damit du dich umsehen kannst. Die Enten schnattern am See und putzen ihr Gefieder. Ein Ruderer ist allein unterwegs, lautlos und kraftvoll zieht er sein Boot vorwärts. Du siehst ihm lange nach. „Komm, wir gehen weiter”, schlage ich vor, „mir wird kalt.” Ich freue mich auf einen heißen Kaffee.

Du bist still geworden. Schmeckt dir das Leben noch? Jeder Bissen, jeder Schluck eine Überwindung. Du musst mehr trinken. Deine Kräfte bauen sich schnell ab. Was baut dich noch auf? Ein gutes Wort? Ein lieber Blick oder eine Umarmung? Nichts Hiesiges mehr, nur noch kaum Fassbares, scheinbar Flüchtiges, Vorübergehendes. Das bleibt. Das wird unmerkbar zu Erinnerung. In uns.

Wir gehen nach Hause. Stütz dich auf mich. Wir haben nur noch uns. Ich gebe dir meine Kraft, meine aufbauende Kraft der Liebe.

„Nur Liebe vermag überhaupt jemanden am Leben zu erhalten.”
(Oscar Wilde)