Unternehmerporträt Medhat Zaki

Unternehmerporträt Medhat Zaki

Ein warmer Frühsommertag Mitte Juni. In einer ruhigen Seitenstraße im Essener Süden finde ich die Medhat Zaki Academy. Er öffnet persönlich und bittet mich in sein Büro, ein Anzug hängt hinter der Tür, Sonnenlicht fällt durch das Fenster, vor dem Schreibtisch eine professionelle Kamera und zwei hochwertige Studioleuchten, dahinter eine gelbe Wand. „Ich liebe Wärme“, sagt er und serviert Tee. Der einzige Dekorationsartikel: eine Büste der Nofretete. „Meine Urururoma, aus derselben Stadt wie ich“, scherzt er.

Medhat Zaki wurde im Süden von Ägypten geboren. „Mein Vater war der Pascha in der Familie, er konnte sich nie entschuldigen oder bedanken und musste immer Recht haben. Obwohl er ein anerkannter Beamter bei der Post war, wurde ich als Kind gemobbt und von meinen Mitschülern verprügelt“, beginnt er. „Ich bin nur 1 Meter 63 klein. Heute nenne ich das: konzentriert.“ Vom Vater mit Schlägen und Demütigungen erzogen, fehlte dem ängstlichen Jungen jegliches Selbstbewusstsein. „Ich habe gezittert, wenn mein Vater mit mir gesprochen hat, und hatte das Gefühl, nicht liebenswert zu sein. Als er für vier Jahre in Saudi-Arabien gearbeitet hat, konnte ich aufatmen.“

Dazu kam eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, wie sich bald herausstellte. Die größte Blamage erlebte der Neunjährige, als er anlässlich der Ermordung Sadats auch einmal im Morgenkreis vor dem Rektor und der versammelten Lehrer- und Schülerschaft aus den Nachrichten des Tages vorlesen wollte und sich eingestehen musste, dass er nicht richtig lesen konnte. Das Gefühl der Schande, ausgelacht zu werden, nicht dazuzugehören, keine Anerkennung zu erhalten, saß tief. „Ich dachte, ich bin dumm und alle hassen mich“, erinnert er sich. „Meistens blieb ich zu Hause und musste lernen.“ In den Sommerferien engagierte er sich in der Sonntagsschule für die Kinder der koptischen Gemeinde. Auf Anregung des Priesters hin besuchte der jugendliche Medhat eine private Hochschule und studierte mit großem Interesse acht Semester lang Theologie und Psychologie. Sein kritischer Widerspruchsgeist verhinderte jedoch eine berufliche Laufbahn im Schoß der Kirche. „Da war der Spaß vorbei“, lacht er. „Aber ich hatte schon einen Plan B.“

Mit 16 hatte er seine Liebe zur Welt der Bilder entdeckt und mit seiner ersten Kamera ein eigenes Fotostudio eröffnet. „Ich war ja noch nicht geschäftsfähig und habe meine Mutter als Inhaberin eingetragen.“ Jetzt kamen die Menschen zu ihm und ließen sich von dem pfiffigen Jungunternehmer für Personalausweise, Hochzeiten und Feste fotografieren. „Mein erstes Business hat nicht so gut funktioniert, und mit 19 machte ich eine Ausbildung als Masseur.“ Schon als Kind hatte er seinem Großvater, der für seine heilenden Hände bekannt war, voller Interesse zugeschaut und geholfen. „Er bezog eine kleine Rente und arbeitete gratis zu Hause, renkte ausgekugelte Schultern ein, massierte schmerzende Muskeln und mobilisierte Gelenke, eine Familientradition seit 600 Jahren. Er war verdammt gut. Einmal setzte er einen Mann mit zusammengebundenen Füßen auf ein Pferd und ließ es so lange trinken, bis sein gewölbter Bauch ganz sanft die Hüfte des Mannes wieder in die richtige Position gleiten ließ. Genial. Ich hab ihm gerne geholfen und mich dann über Schokolade und kleine Geschenke seiner Patienten gefreut.“

Als der ägyptische Staat mit Steuernachlässen und hohen Gehältern Arbeitskräfte nach Hurghada lockte, um die Region für den Tourismus zu erschließen, folgte Medhats Vater diesem Ruf, und Medhat ließ sich in einem Hotel als Masseur anstellen. Seine Strategie: Zuerst ein Gehalt beziehen, dann Prozente, Geld zur Seite legen, in einem anderen Hotel ein Studio mieten und Mitarbeiter beschäftigen. „Mit Anfang Zwanzig habe ich mich selbstständig gemacht, hatte in mehreren Hotels Massagestudios – das lief so was von gut!“, schwärmt er. „Mit 25 habe ich meine erste Million gemacht.“ Als das Massaker von Luxor, der erste Anschlag auf Dutzende von Touristen, im November 1997 die Welt erschütterte, blieben in der Folge die Gäste aus, die Hotels standen leer. Medhat Zaki verkaufte zu Schleuderpreisen, was er besaß, und stand vor dem Nichts. „Da war ich pleite. Die Million war weg, ich hatte sogar Schulden.“

Wo andere verzweifeln, bleibt er hartnäckig. Er kehrte zurück in seine Heimat und übernahm das Fotostudio, das er zwischenzeitlich seinem Schwager übergeben hatte, von Neuem. Als die geschwächte Tourismusindustrie in Hurghada sich etwas erholt hatte, fotografierte er dort Urlauber und verliebte sich in eine Deutsche, die ihn mehrmals im Jahr besuchte. 2001 reiste Medhat Zaki zu ihr nach Deutschland und blieb. Wieder beeinflusste das Weltgeschehen auch das persönliche Schicksal Medhats: Die Terroranschläge des 11. September 2001 in New York, deren Anführer Ägypter war, ließen vermuten, dass der ägyptische Tourismussektor langfristig unter den Folgen leiden würde. „Ich hatte Angst, ich könnte nicht mehr ausreisen, wenn ich nach Ägypten zurückfliegen würde“, sagt er. Er heiratete seine Freundin, beide stehen nach elf Jahren Ehe noch immer in freundschaftlichem Kontakt.

Medhat lernte intensiv Deutsch und fand schnell Arbeit als Masseur in einem Wellnesshotel, bildete sich weiter in Massagetechniken, Lymphdrainagen und Ayurveda, bis chronische Schmerzen in seinem Handgelenk ihn berufsunfähig machten. „Ein Schock. Ich war richtig gut, das war ja mein Leben“, sagt er nachdenklich und nimmt einen Schluck Tee. Mit 32 durchlief er eine mehrjährige Umschulung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und begann als Vertriebsmanager für Nah-, Mittelosten und Afrika, ein Glückstreffer. „Ich hab sehr gut in den arabischen Ländern verkauft, sehr gut, mit Umsatzbeteiligung“, erinnert er sich. „Ehrlich gesagt, habe ich ein Problem: Wenn ich erfolgreich bin, werde ich arrogant“, räumt er selbstkritisch ein. „Ich hab das auch gemerkt, als ich damals Geld gehabt habe. Endlich hatte der Kleine es zu etwas gebracht. Aber das zeugt von schlechtem Charakter und geringem Selbstwertgefühl, finde ich.“ Als sein Chef ihm die gebührende Anerkennung verweigerte, trennten sie sich. Medhat besann sich auf eine Zeitarbeitsfirma, deren Angebot er Jahre zuvor wegen einer Operation nicht annehmen konnte. Stattdessen hatte er aus seinem Bekanntenkreis für den Job kompetenten Ersatz organisiert. „Als ich arbeitslos war, habe ich an diese Firma gedacht und angerufen. Die Dame erinnerte sich an mich, besorgte mir einen Übergangsjob, und schließlich fand ich Arbeit bei RWE im Vertrieb. Das ist mein Ding – Vertrieb und Verkauf.“

Seit langem beschäftigt Medhat Zaki sich mit der Frage nach Armut und Reichtum und der Kunst der Reichen, ihr Vermögen nicht wieder zu verlieren. „Wenn ich Geld hatte, habe ich auch viel ausgegeben, genauso, wie ich es bei meinem Vater gesehen habe. Mein Mindset war falsch. Ich war überzeugt davon, dass Reiche böse sind und Geld nicht glücklich macht, sondern den Charakter verdirbt. Ich war voller Angst, hatte kein echtes Selbstbewusstsein, und immer, wenn ich Erfolg hatte, hab ich ihn unbewusst selbst wieder zerstört. Ich war zu selbstverliebt“, räumt er ein.

Medhat leistete sich Coaches und Mentoren, arbeitete an seiner Persönlichkeit, bildete sich mehrfach als NLP- und Hypnose-Trainer fort und begann im Dezember 2017 sein Wissen über Verkaufsstrategien und die Psychologie der Superreichen in Videos zu vermitteln, zunächst auf Arabisch, seit Kurzem auch auf Deutsch. „Egal, wie gut du bist – wenn die andern das nicht wissen, bringt das alles nichts. Und egal, wie gut dein Produkt oder deine Dienstleistung ist – wenn du das nicht verkaufen kannst, bleibst du arm“, betont er nachdrücklich. „Du musst den Unterschied zwischen Geld ausgeben und investieren beherrschen. Reiche investieren nur in ihr Business und ihr Wissen, nicht in Konsum.“

Inzwischen gibt es von ihm über 100 Aufnahmen und Live-Videos mit der ungeheuren Reichweite von 22 Millionen Followern in der Woche und diverse Onlinekurse. Als kleiner Junge stand er auf dem Schulhof und versagte beim öffentlichen Vorlesen. Heute spricht Medhat Zaki von seinem Schreibtisch aus frei in die Kamera und erreicht die Welt, wird sogar am Flughafen von Fans erkannt. „Ich habe sehr lange alleine versucht, meine Glaubenssätze und mein Verhalten zu ändern. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand mir geholfen hätte, aber ich habe alle Fehler selbst machen müssen und aus ihnen gelernt. Wenn ich mir früher einen Coach genommen hätte und nicht geglaubt hätte, der Schlauste zu sein, hätte ich nicht so viel Zeit verloren. Das ist mein Motiv, andere zu coachen.“

Seine Mission: Den Menschen dabei zu helfen, finanzielle Freiheit zu erreichen. Die Fehler, die er selbst gemacht hat, möchte er ihnen ersparen. Er weiß, wie kostbar Zeit ist, seit die Diagnose einer seltenen Erkrankung ihm mit 32 vor Augen führte, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. Er kennt Existenzangst und Verzweiflung und genießt umso bewusster das Glück mit seiner zweiten Frau und seinem kleinen Sohn. „Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, weiß ich, dass das ein Geschenk ist. Die Wahrnehmung verändert sich. Man kann sein Leben nicht verlängern, aber vertiefen.“ Er schweigt.

„Freiheit und Wohlstand sind unser Geburtsrecht. Ich bin seit meiner Kindheit oft zu Dingen gezwungen worden und bin sehr viele Kompromisse eingegangen. Das möchte ich nie wieder erleben. Es ist ein schönes Gefühl, das nicht nötig zu haben. Und dabei helfe ich anderen. Ich möchte gerne zwei Millionen Menschen coachen und 1000 Trainer weltweit ausbilden.“

Medhat Zaki ist Coach und Trainer aus Leidenschaft und verbindet sein Wissen mit innerer Tiefe und echter Größe – einer zu Selbstkritik und fortwährender Entwicklung befähigten Persönlichkeit. „Finanzielle Freiheit erreicht man mit System. It’s never too late. Wenn ich das kann, schaffen andere das auch“, schließt er zuversichtlich.

Medhat Zaki überzeugt – als Mensch und Unternehmer.